Trotz tagsüber noch anhaltender wunderschöner, sonniger Herbsttage ist es, gerade Nachts, mit Temperaturen um 0 Grad schon eisig kalt geworden. Wir frieren – und neigen dazu, dann auch unsere Pferde warm einzupacken.

Manche Pferde benötigen Decken – oft diejenigen mit sehr kurzem Fell, geschorenem Fell und unsere Oldies. Konnte sich das Winterfell eines Pferdes, ohne Eingriffe in die Thermoregulierung, normal ausbilden, ist eine Decke oft gänzlich unnötig. Pauschalisieren kann man zum Thema Eindecken nichts – jedes Pferd ist individuell zu betrachten und nicht jedes Pferd lebt ohne Decke gut.

Pferde verfügen über ein sehr gutes Thermoregulierungsvermögen – doch wie funktioniert das eigentlich?

Grundsätzlich sind Pferde echt Anpassungskünstler – laut einer amerikanischen Studie können sie mit Temperaturschwankungen von bis zu 40 Grad gut umgehen. Die Wohlfühltemperatur liegt allerdings bei 5-15 Grad.

Die Thermoregulierung eines gesunden Pferdes wird durch einige Faktoren gesteuert:

Die Haut

Die bis zu 6 mm dicke Pferdehaut wirkt als eine Art Isolationsschicht.

Das Fell

Das Winterfell wird gebildet, sobald die Temperaturen kühler und die Tage kürzer werden. Das dichtere und längere Winterfell kann das Pferd  noch aufstellen, um sich  zusätzlich zu isolieren. Die Felldichte wird durch das Aufstellen um 10-30 &% erhöht.

Die auf den Haaren liegende Talgschicht lässt Regen oder Schnee an der äußeren Haarschicht abfließen, sodass die Feuchtigkeit nicht bis zur Haut vordringt. Je länger das Fell ist, umso besser schützt es.

Die Arterien

Durch Muskeln können sich die Gefäße weitern oder verengen. Die Gefäßverengung beschränkt den Blutfluß an der Hautoberfläche und somit den Wärmeverlust.

Körperfett

Körperfett ist aufgrund seiner geringen Blutversorgung und Wärmeleitungsfähigkeit drei mal so isolierend wie anderes Körpergewebe. Zudem gilt es als wichtiger Energielieferant. Eine Gewichtszunahme im Herbst von bis zu 20 % bei Pferden, die unter natürlichen Bedingungen leben (z.B. Offenstall), gilt als durchaus normal und wichtig. Nehmen die Pferde im Herbst nicht zu, kann man beobachten, dass dafür das Winterfell länger ausgebildet wird. Hingegen haben Pferde mit einer dicken Fettschicht oft kürzere Winterhaare.

Raufutteraufnahme

Der Dickdarm wandelt rund 30 % des Raufutter in Wärme um. Daher ist es besonders bei kalten Temperaturen wichtig, dass die Pferde uneingeschränkten Zugang, oder zumindest größere Mengen, an Raufutter zur Verfügung haben, um die Körperwärme aufrecht zu halten. Je kälter es wird, umso mehr Heu benötigt ein Pferd.

Damit ein Pferd im Winter bestmöglich ohne Decke klar kommt, müssen diese Faktoren gegegeben sein. Die Voraussetzung ist, dass das Pferd gesund ist. Von der Muskelenergie werden nur 35 % in Bewegung umgesetzt – der Rest fließt in die Wärmeproduktion. Manche Pferde zittern sich warm, es kommt zum Adenosintriphosphat-Aufschluss in den Muskeln. Dieses Zittern hält oft nur kurz an und wird dann wieder durch die innere Heizung ersetzt.

Nun haben wir aber nicht nur gesunde, runde Offenstallpferde – sondern auch die Oldies, Pferde, ohne ausreichendes oder mit geschorenem Fell, kranke Pferde 

Diese Pferde benötigen eine Decke. Hier kommt es auch auf die Haltungsform an – steht das Pferd in der Box oder hat es freien Zugang zu einem Paddock oder Koppel. Sobald das Pferd nach draußen gehen kann, muss die Decke regendicht sein. In der Box ist eine reine Stalldecke ausreichend.

Grundsätzlich stellt sich immer die Frage – Wie dick soll die Decke sein?

Im Herbst reichen meist ungefütterte oder mit Fleece unterlegte Decken für die Nächte und trüben Tage aus. Da es aber auch im Herbst  noch richtig warm sein kann, sollten die Decken an sonnigen Tagen tagsüber abgenommen werden.

Bei Temperaturen unter 5 Grad kann man eine Decke mit Polarfleece oder 100/150 Gramm Füllung auflegen. Fallen die Temperaturen unter 0 Grad müssen zumindest die geschorenen Pferde Decken mit noch mehr Füllung bekommen.

Ob die Decke passend ist, kann man gut am Pferd erkennen – im Idealfall ist das Pferd unter der Decke mollig warm. Ist die Decke zu dick, schwitzt das Pferd – bei zu dünnen Decken stellt es die Haare.

Nach dem Training: Generell sollten alle Pferde, die nass bis auf die Haut wurden, ausgiebig trocken geführt oder geritten und zugedeckt werden – solange bis das Fell getrocknet ist und seinen Dienst wieder aufnehmen kann. Die mir Schweiß verklebten Haare müssen ausgebürstet werden, damit sie ihre Aufgabe wieder wahrnehmen können.

„Cold housing effects on growth and nutrient demand of young horses“ (Journal of Animal Science)
Young & Coote
No Comments Yet

Comments are closed