Ist mein Pferd zu dick?

Viele Pferde sind zu dick – sowohl im Freizeit- als auch im Sportbereich.

Als Pferdebesitzer fällt es einem meist schwer, die Figur seines Pferdes zu beurteilen und häufig wird Übergewicht erst richtig realisiert, wenn gesundheitliche Probleme auftauchen.

Wie beurteilt man die Figur seines Pferdes richtig?

Ein runder Bauch gilt nicht unbedingt als Zeichen für Übergewicht – kann man dabei die Rippen sehen, ist in vielen Fällen nicht das Futter das Problem sondern Gase, die das Pferd aufblähen.

Um das genaue Gewicht des Pferdes zu bestimmen, gibt es spezielle Pferdewaagen –allerdings ist nicht nur das Gewicht ausschlaggebend. Muskeln sind bekanntlich schwerer als Fett, ein genauer Blick auf die Körperfettwerte lohnt sich also.

Mit dem System des Body Condition Score (BCS) kann man grob ermitteln, in welchem Verhältnis das Fettgewebe zu der fettfreien Masse steht.

Mit dem BCS wird die Menge an Fett anhand 6 verschiedener Stellen des Pferdekörpers mit Punkten bewertet – wobei 1 als sehr mager und 9 als adipös gilt. Bewertet wird rein die Menge an gespeichertem Fett, daher ist dieses System auf die meisten Pferdetypen anwendbar.

Wie wird’s gemacht?

Die verschiedenen Bereiche werden auf Fettpolster abgetastet und dann subjektiv mit Punkten bewertet. Fettpolster sind weich, Muskeln fühlen sich im Vergleich dazu fest und glatt an.

Wenn jeder Bereich mit einem Punkt zwischen 1 und 9 bewertet wurde rechnet man die Punkte zusammen und ermittelt dann den Durchschnittswert. Der Durchschnittswert für ein normalgewichtiges Pferd liegt bei 5. Zwischen 7 und 9 gilt das Pferd als zu dick und sollte abnehmen, bei 0-4 ist das Pferd zu dünn.

Die Bereiche

Hals

Getastet wird vom Nacken bis zum Widerrist über den Mähnenkamm – wird dieser hin und her bewegt, gibt das Aufschluss über Fett- oder Muskelmasse.

  • Der Widerrist ist knöchern & es ist kein Kammfett vorhanden: 1 Punkt
  • Der Mähnenkamm ist leicht gewölbt, lässt sich mäßig bewegen und fühlt sich fest an, der Widerrrist ist sichtbar aber nicht knöchern: 5 Punkte
  • Widerrist ist nicht spürbar, der Mähnenkamm lässt sich leicht hin und her bewegen und weist eine extreme Wölbung auf: 9 Punkte

Schulter

Beim Ausstreichen von Hals in Richtung Schulter lässt sich gut feststellen, ob sich vor dem Schulterblatt Fettgewebe angesammelt hat und man ohne Widerstand vom Hals auf die Schulter gleitet oder ob das Schulterblatt spürbar ist.

  • Ein komplett sichtbares, knöchernes Schulterblatt erhält die Bewertung: 1 Punkt
  • Der Schulterknochen ist zu erahnen, steht aber nicht knöchern hervor, beim Ausstreichen entsteht von Hals auf die Schulter ein kurzer Widerstand: 5 Punkte
  • Das Fettgewebe liegt komplett über der Schulter und lässt nicht mehr unterscheiden wo der Schulterknochen anfängt. Ein einfaches Gleiten der Hand vom Hals auf die Schulter ist möglich: 9 Punkte

Rücken

Die Dornfortsätze der Wirbelsäule abtasten und die Hand auf den Rücken des Pferdes legen. Dabei ist die Wölbung der Hand ausschlaggebend.

  • Sind die Dornfortsätze spürbar und fühlbar und die Rippenansätze sichtbar: 1 Punkt
  • Die Dornfortsätze sind nicht sichtbar aber spürbar. Beim Auflegen der Hand über den Rücken, bildet diese einen leichten Bogen: 5 Punkte
  • Keine Dornfortsätze spür- oder sichtbar. Der Rücken bietet für die aufgelegte Hand eine fast gerade Auflagefläche: 9 Punkte

Rippen

Im optimalen Futterzustand, sind die Rippen undeutlich zu sehen oder nicht sichtbar – aber leicht tastbar.

  • Die Rippen sind vollständig sichtbar: 1 Punkt
  • Undeutlich sichtbare aber fühlbare Rippen: 5 Punkte
  • Weder sichtbar, noch spürbar: 9 Punkte

Kruppe

Die Kruppe wird abgetastet und überprüft ob sie sich knochig, fest oder schwammig anfühlt. Verschiebbare Haut auf der Kruppe ist ein Zeichen für zu viel Fett.

  • Die Kruppe fällt nach innen und der Beckenknochen ist sichtbar: 1 Punkt
  • Die Kruppe ist rund und fest. Die Haut lässt sich etwas verschieben: 5 Punkte
  • Ein schwammiges, durchgehendes Fettpolster bei dem sich die Haut sehr leicht verschieben lässt: 9 Punkte

Schweifansatz

Um den Schweifansatz herum sollte es sich im Idealfall leicht schwammig aber fest anfühlen.

  • Wirbel am Schweifansatz sichtbar und fühlbar: 1 Punkt
  • Wirbel am Schweifansatz nicht sichtbar. Das Gewebe um den Schweifansatz fühlt sich ganz leicht schwammig aber fest an: 5 Punkte
  • Eine deutliche Rinne von Rücken zu Schweif und sehr schwammiges Gewebe: 9 Punkte

Es gibt Ausnahmen bei bestimmten Rassen und Pferdetypen – diese müssen relativiert bewertet werden:

Quarter Horses/Paint Horses: Rassetypisch haben diese Pferde eine wesentlich ausgeprägtere Muskulatur, nicht nur an der Hinterhand.

Alte Pferde: In zunehmendem Alter nehmen Pferd oft an Muskulatur ab. Ein Hängerücken und ein Axthieb sind nichts Seltenes und bedeuten nicht automatisch, dass das Pferd zu dünn ist.

Hengste: Ein Hengst hat naturgemäß mehr Fett am Mähnenkamm als eine Stute oder ein Wallach. Der typische Hengsthals.

Araber und Vollblüter: Diese Pferderassen haben oft von Natur aus oft einen Axthieb.

Kaltblutrassen: Die gespaltene Kruppe bedeutet bei diesen Pferden nicht, dass der Fettanteil zu hoch ist, sondern dass eine ausgeprägte Muskulatur vorhanden ist. Ebenso haben diese Pferde einen höheren Anteil an Kammfett.

Mein Pferd ist zu dick – was nun?

Der erste Schritt ist getan – die Figur des Pferdes wurde realistisch beurteilt und ein Übergewicht wurde festgestellt. Das Pferd muss abspecken, denn ansonsten können Krankheiten wie Hufrehe oder Stoffwechselstörungen  folgen.

Die richtige Fütterung

Ganz wichtig: Keine Crashdiät durchführen und das Futter radikal kürzen, ansonsten drohen weitere gesundheitliche Probleme wie Magengeschwüre oder eine Hyperlipidämie. Durch radikalen Futterentzug wird eine große Menge an Fett freigesetzt und gerät in die Blutbahn – die Leber kann nicht schnell genug alles abbauen und wird langfristig geschädigt.

Dicke Pferde brauchen kein Kraftfutter, wichtig ist lediglich ein gutes Mineralfutter, damit es nicht zu Nährstoffdefiziten kommt. Das Wichtigste während einer Diät ist Heu – am besten aus engmaschigen Heunetzen.

Die Menge an Heu während einer Diät muss an das Zielgewicht des Pferdes angepasst werden. Das bedeutet:

Ist-Gewicht: 600 kg
Soll-Gewicht 500 kg
Berechnung Heubedarf während der Diät: 500 x 1,5 kg Heu (pro 100 kg Gewicht) = 7,5 kg Heu/Tag

Bewegung ist das A&O

In freier Wildbahn legen Pferde zwischen 16 und 20 km pro Tag zurück. Um abzunehmen, ist es wichtig ein kontinuierliches Training zu starten. Die Trainingsintensität muss langsam gesteigert und der Kondition des Pferdes angepasst werden.

Langstrecken sind ideal zum abspecken – keine kurzen schnellen Sprints sondern lange Trabstrecken eignen sich hervorragend. Hat das Pferd an Ausdauer gewonnen, auch im Galopp. Je schneller die Gangart umso mehr Kalorien werden verbrannt.

Vorbeugend sollte man das Gewicht seines Pferdes regelmäßig überprüfen und auf ausreichende Bewegung achten.