Die Zahngesundheit beim Pferd

Zahngesundheit beim Pferd

Angefangen von Schmerzen im Maul bis hin zu Rittigkeitsproblemen haben die Zähne des Pferdes einen maßgeblichen Anteil am Wohlbefinden unserer Tiere. Grund genug, unseren Pferden auf den Zahn zu fühlen und mehr  über Zähne und Zahngesundheit zu zu erfahren.

Ursprünglich verbrachten Pferde bis zu 20 Stunden mit der Nahrungsaufnahme von hartem Steppengras wodurch sich die Zähne jährlich bis zu 3 mm abnutzten. Bei unseren domestizierten Hauspferden haben sich die Fresszeiten und auch das Nahrungsangebot aber stark verändert. Im Schnitt verbringen unsere Pferde nur noch 6-8 Stunden täglich mit Fressen.

Die Zähne des Pferdes

Bei der Geburt haben die meisten Fohlen bereits 12-16 angelegte Milchzähne – die inneren Schneidezähne und die vorderen Backenzähne brechen innerhalb der ersten 2 Lebenswochen durch. Die mittleren Schneidezähne folgen ab der 4. Lebenswoche. Im Alter von 6-12 Monaten folgen die äußeren Schneidezähne und die hinteren Backenzähne, die bereits als bleibende Zähne kommen.

Im Alter von 2 bis 3,5 Jahren brechen nach und nach die Backenzähne durch. Die Milchzähne wechseln im Alter von 2 bis 4,5 Jahren. Den Abschluss der Zahnentwicklung macht der Hengstzahn, wenn er vorhanden ist, im Alter von ca. 4-5 Jahren. Wenn Wolfszähne angelegt sind, erkennt man diese bereits im 6. Lebensmonat.

Der Zahn wird beim Pferd im Laufe des Lebens kontinuierlich abgerieben. Pro Jahr sind das etwa zwei bis vier Millimeter Abrieb am Zahn – der gleichzeitig aus dem Zahnfach wieder nachgeschoben wird. Deswegen scheint der Zahn lebenslang zu „wachsen“. In Wirklichkeit wird allerdings durch das herausschieben des Zahns die Wurzel entsprechend kürzer.

Foto: Pixabay

Anatomie

Das normal entwickelte Pferdegebiss besteht aus 36-44 Zähnen. Wallache und Hengste haben zu den 36 Schneide- und Backenzähnen noch bis zu 4 Hengstzähne – auch bei 25-30 % der Stuten sind Hengstzähne vorhanden, fallen aber meist im Zahnwechsel einfach aus. Bei manchen Pferden entwickeln sich die Wolfszähne. Die Wolfszähne liegen vor dem ersten Backenzahn und bereiten oft Probleme, da sie mit dem Gebiss kollidieren.


Grundlegend werden im Gebiss vier Zahntypen unterschieden:

Schneidezähne

Insgesamt befinden sich ganze 12 Schneidezähne im Kiefer des Pferdes. In jungen Jahren stehen die Schneidezähne noch fast senkrecht aufeinander. Mit fortschreitendem Alter verändert sich der Winkel zwischen Ober- und Unterkiefer und ein sogenanntes Winkelgebiss entsteht.

Eckzähne

Die Eckzähne sind die sogenannten Hengstzähne. Diese Zähne spielen für die Pferde keine überlebensnotwendige Rolle, sondern waren ursprünglich zusätzliche Zähne für Kämpfe. Die Zähne berühren sich nicht gegenseitig und wachsen ohne Abrieb ungehindert in die Länge. Die Eckzähne sitzen hinter den Schneidezähnen vor der zahnfreien Lade.

Vorderen Backenzähne

Die 3 ersten Backenzähne hinter der zahnfreien Lade bezeichnet man als vordere Backenzähne. In manchen Fällen sitzen vor dem ersten Backenzahn noch die Wolfszähne. Wie die Hengstzähne haben sie keine überlebensnotwendige Funktion, sondern stören das Pferd eher bei der Verwendung eines Gebisses. Vor dem Einreiten sollte also überprüft werden, ob das Pferd Wolfzähne hat.

Hinteren Backenzähne

Die je 3 letzten Backenzähne im Kiefer sind die hinteren Backenzähne. Diese Backenzähne kommen direkt als bleibende Zähne und haben keine Milchzahnvorläufer.

Die Zähne und deren Einfluss

Die Zähne haben vielfältigen Einfluss auf die Gesundheit und die Rittigkeit der Pferde. Viele Pferde geraten durch eine Fehlstellung der Zähne außer Balance und entwickeln beim Reiten Probleme, losgelassen und balanciert zu laufen.

Doch nicht nur beim Reiten können Probleme auftreten – eine mangelhafte Futterverwertung kann ebenso zum Problem werden. Scharfe Kanten die dem Pferd Schmerzen bereiten oder ungleichmäßig abgenutzte Zähne können zu Abmagerungen führen. Dadurch, dass die Nahrung nicht gründlich eingespeichelt und gekaut wird, kommt es durch nicht aufgespaltenes Futter zu einer mangelhaften  Nährstoffversorgung.

Es gibt eine Vielzahl an Folgeerkrankungen, die entstehen können. Daher empfiehlt es sich mindestens einmal im Jahr eine Zahnüberprüfung und -behandlung durch einen Tierarzt oder Pferdedentisten durchführen zu lassen, um die Gesunderhaltung des Pferdes zu garantieren.

Das Erkennen von Zahnproblemen

Das deutlichste Zeichen für Zahnprobleme sind die sogenannten Heuwickel. Die Pferde können das langfaserige Heu nicht genügend zerkleinern und spucken es als Knäul wieder aus. Die Symptome können vielfältig sein, manche Pferde zeigen auch keinerlei offensichtliche Symptome.

Die häufigsten Anzeichen:

  • Abmagerung
  • Kotwasser und Koliken
  • Extremes Zungenspiel und Kopfschräghaltung
  • Widerwillig beim Trensen
  • Ohren anlegen und Schweif schlagen
  • Fauliger Geruch aus dem Maul
  • Blutspuren im Maul

Behandlung der Zähne

Einmal im Jahr sollten die Zähne durch einen Tierarzt oder Pferdedentisten untersucht werden um Zahnproblemen bereits frühzeitig vorzubeugen. Dabei gibt es bei jungen Pferden im Alter von 2-4 eine Ausnahme – durch den Zahnwechsel sollten diese 2-mal jährlich routinemäßig überprüft werden.

Der Tierarzt schaut sich das Pferd vor der Behandlung im nicht sedierten Zustand an, um grob abzuschätzen in welchem ungefähren Umfang eine Behandlung nötig ist. Nach dem Abhören und Überprüfen des Herz-/Kreislaufapparat, wird die Sedierung verabreicht. Mit einem Maulgitter wird das Maul des Pferdes fixiert, mittels einem Seil nach oben aufgehangen und so weit geöffnet, dass der Tierarzt mit seinen Werkzeugen problemlos darin arbeiten kann.

Nach der Zahnbehandlung darf das Pferd aufgrund der Sedierung bis zu 2 Stunden nichts fressen, um eine Schlundverstopfung zu vermeiden. Am Tag der Zahnbehandlung ist es, je nach Behandlung sinnvoll nur Mash zu füttern um die Maulhöhle zu schonen.

Wie kann man sich auf die Zahnbehandlung vorbereiten

  • einen ruhigen, rutschfesten Platz aussuchen
  • Möglichkeiten zum Aufhängen des Pferdekopfes im Maulgatter
  • Strom und Wasser
  • Zeit einplanen – mindestens 2 Stunden nach der Behandlung sollte das Pferd beobachtet werden
Fotos: Figure 8