Die Hydrotherapie am Pferd

Sebastian Kneipp 1821-1897 war wohl der bekannteste Anwender seiner Zeit, dem es zu verdanken ist, dass die Heilwirkung des Wassers erneut erkannt und genutzt wurde.

Auch Oberst Peter Spohr (1828 – 1918) beschrieb in seinem Buch “Die Bein- und Hufleiden der Pferde von Spohr – Ihre Entstehung, Verhütung und arzneilose Heilung” umfassend die hydrotherapeutischen Umschläge (Wickel) am Pferd.

Die Hydrotherapie ist die systematische Anwendung von Wasser zur Behandlung akuter oder chronischer Beschwerden.

Sie dient

  • der Abhärtung und Stabilisierung der Körperfunktionen und erhöht die Widerstandsfähigkeit
  • zur Vorbeugung vor Verletzungen des Bewegungsapparates
  • zur Regeneration und Rehabilitation

Bei der Hydrotherapie wird größtenteils der Temperaturreiz des Wassers genutzt.

Folgende Anwendungsformen bietet die Hydrotherapie:

  • Waschungen
  • Wickel, Auflagen und Kompressen, Packungen
  • Güsse
  • Bäder (Teil- und Vollbäder) mit und ohne Zusätze – Sauna / Dampfbäder

Wir richten unser Augenmerk speziell auf die Anwendungsform als Wickel.

Folgende Vorteile bietet eine Wickelanwendung:

  • nachweisbare physikalische Wirkungen – Selbstheilungskräfte werden angeregt, der Stoffwechsel wird beschleunigt
  • Stauungen werden gelöst
  • der Patient kommt zur Ruhe
  • Behandlung bedeutet Zuwendung
  • ergänzende positive Effekte durch Wickelzusätze

 So wirkt ein Wickel:

1. Zu Beginn der Behandlung erfolgt ein kurzer Kältereiz = Kühlung
Dies sorgt für ein Zusammenziehen der arteriellen lokalen Gefäße als Schutzreaktion. Dadurch entsteht eine natürliche Schmerzlinderung, Verminderung des Gewebedrucks durch den venösen Abfluss und ein Abschwellen des Gewebes.

2. Darauf folgt die Wiedererwärmung des Gewebes
Diese sorgt für eine Erweiterung der Blutgefäße mit reaktiver Erwärmung: einfließendes arterielles Blut erwärmt das zuvor gekühlte Areal was zu einer Volldurchblutung des Gewebes führt. In diesem Zustand werden Fremdstoffe und Stoffwechselabfallprodukte über die Blutbahn abtransportiert. In der Naturheilkunde werden Wickelanwendungen daher auch als „Säfteegel“ bezeichnet.

3. Durch die Wiedererwärmung wird der gewünschte Wärmeentzug unter Volldurchblutung erreicht
Über die Haut wird die Blutwärme nach außen abgeführt, das Wickeltextil nimmt die Körperwärme auf und gibt sie in Form von Dunst während der gesamten Therapie nach außen ab. So funktioniert eine Wickelanwendung wie ein perfekter Wärmeaustauscher, vergleichbar mit dem Kühler im Auto.

Dem Wasser zugefügte Pflanzenauszüge unterstützen den physikalischen Effekt der Hydrotherapie.

Pferde lieben Wickel, sie haben ein gutes Gespür dafür, was ihnen gut tut und entspannen in den meisten Fällen schon nach kürzester Zeit!

Vorsicht vor extremer Kälte!

Eine Wickelanwendung solle nie unter 8°C temperiert werden.

Mit keinem anderen Verfahren wurde und wird so viel Missbrauch betrieben wie mit der Anwendung mit Eis. Eine lange Einwirkzeit der Kälte (Eisbeutel) sorgt für eine maximale Erweiterung der arteriellen lokalen Gefäße zum Schutz vor Erfrierungen! Dies ist ein äußerst schmerzhafter Prozess, auch für Pferde! Eine sehr lange Einwirkzeit der Kälte (Eis) führt zu Gefäßkrampf, Verschluss der arteriellen lokalen Gefäße, der Körper gibt das Areal auf! Eine Durchblutung findet nicht mehr statt, die Heilungsprozesse sind gestoppt! Eine irreparable Schädigung des Lymphsystems entsteht.

 

Text: Nicole Syré, MuliMann

Foto: Shutterstock

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