Equines Sarkoid

Pferde aller Altersklassen und Rassen kann es treffen – das Equine Sarkoid ist ein Bindegewebs-Hauttumor des Pferdes.

Er ist ein semimaligner Tumor, da es mit seinem lokal aggressiven und fingerförmigen (infiltrativen) Wachstum zwar Kriterien eines bösartigen (malignen) Tumors erfüllt, jedoch keine Metastasierung (Streuung des Tumors im Körper) zeigt.

Infiltratives Wachstum bedeutet, dass der Tumor nicht klar abgegrenzt ist und in tiefere Gewebeschichten eindringt. Diese Hauttumore sind gekennzeichnet durch eine hohe Rezidivneigung (d.h. sie kommen gerne wieder).

Das Sarkoid kann an allen Stellen des Pferdekörpers auftreten, bevorzugt aber am Kopf, den Beinen und am Bauch. An den Beinen sucht es sich gerne Hautgewebsfalten und wenig behaarte Stellen aus. Je nach Lokalisation am Tier (Augenlid, über Gelenken, …) können sie oft nur schwierig entfernt werden.

Equine Sarkoide können ganz klein sein, aber auch bis zur Faustgröße wuchern. 40% aller Pferde sind von Equinen Sarkoiden betroffen.

Das Equine Sarkoid ist ein Tumor, der in unterschiedlichen Formen/Typen auftritt. Anhand des klinischen Erscheinungsbildes können 6 verschiedene Formen unterschieden werden:

Das okkulte Sarkoid:

Typ I erscheint meist als haarlose, wenig erhobene und manchmal leicht knotige und übermäßig raue, verhornte Haut (hyperkeratotische Haut).

Das verruköse (warzenartig) Sarkoid:

Es erscheint als warzenartige Umfangsvermehrung mit Hyperkeratose.

Das noduläre (knotige Sarkoid):

Es erscheint als ein unter der Haut liegender Knoten. Die Größe kann variieren, außerdem kann es gestilt sein. Die darüber liegende Haut ist intakt, aber meist haarlos.

Das fibroblastische Sarkoid (fleischartiges Aussehen):

Es erscheint blumenkohlartig, mit ulzerierter Oberfläche und seröser Exsudation. Es kann auch gestilt sein.

Das malevolente Sarkoid (Haut strangartig verdickt):

Teilweise aggressives fibroplastisches Sarkoid. Häufig an Kopf oder Ellenbogenregion. Verteilt sich über die Lymphbahnen im Körper und erzeugt so viele Knoten und fibroplastische Gewächse.


Außerdem sind Mischformen des Equinen Sarkoides möglich, man spricht hierbei vom gemischten Sarkoid.

Ursache

Im Gewebe der befallenen Tiere lassen sich tumorinduzierende Viren nachweisen: Erreger des Sarkoids sind die Bovinen Papillo-maviren (Rinderwarzenvirus) BPV-1 und BPV-2 (Mayr 2007 Viruskrankheiten der Tiere). Wie der Name bereits sagt, stammt das bovine Papillomavirus von Rindern, welche natürliche Träger davon sind. Der Übertragungsweg ist noch nicht ganz geklärt, Eintrittspforten können kleinste Hautwunden oder eine Übertragung durch stechende Insekten sein.

Pferde die in unmittelbarer Nähe zu Rindern leben, sind eher gefährdet sich damit zu infizieren. Jede Tierart besitzt ihre eigenen Papillomaviren. Die Speziesbarriere wird normalerweise nicht überschritten, sodass keine Gefahr besteht, dass sich Menschen von Tieren anstecken. Eine genetische Prädisposition, Familiär-, Rasse‐ und Geschlechtsbedingte Faktoren werden vermutet, sind aber zum Teil umstritten. Man vermutet einen Zusammenhang mit einem geschwächten Immunsystem. Auch eine Kombination der Faktoren ist möglich.

Behandlung

Kleine Sarkoide verursachen in der Regel im täglichen Leben des Pferdes wenig Störung, sie stellen ein kosmetisches Problem dar. Liegen die Tumore aber z.B. in der Sattel- oder Gurtlage oder an den Augen oder der Maulspalte, und sind sie sehr groß, so schränken sie die Nutzung des Pferdes als Reittier manchmal erheblich, bis hin zur Unbrauchbarkeit, ein.

Die nachhaltige Behandlung von Sarkoiden stellt in vielen Fällen die Tierärzte, Pferdebesitzer und die betroffenen Patienten vor eine große Herausforderung. Eine frühzeitige Erkennung in Verbindung mit einer angemessenen Behandlung ist von entscheidender Bedeutung für ein erfolgreiches Ergebnis.

„Obwohl unzählige Behandlungsmethoden angepriesen werden, existiert auch heute noch kein zuverlässiges und für den Patienten schonendes Vorgehen zur Behandlung und Vorbeugung dieser häufigen Erkrankung.“ (Institut suisse de médecine équine ISME)

Bislang wurden die Equinen Sarkoide mit verschiedenen Methoden und Methodenkombinationen behandelt.


Die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten

Chirurgische Entfernung

Entfernung mit dem CO2-Laser: Diese Behandlung wird nur in Kombination mit anderen Methoden empfohlen, da die Rezidivrate erhöht sein soll.

Kryotherapie: In diesem Verfahren verwenden Tierärzte flüssigen Stickstoff, um den Tumor buchstäblich am Körper des Pferdes ein-zufrieren. Die Erfolgsraten schwanken stark. Kryotherapie führt in der Regel zu Narbenbildung und Depigmentierung der Haare an der Stelle der Entfernung.

Intratumorale Hyperthermie: Im Gegensatz zur Kryotherapie wird hier mit Wärme gearbeitet

Chemotherapeutische Behandlung mit Cisplatin

Misteltherapie

Acyclovirsalbe: Eine Behandlung mit dem antiviralen Medikament Acyclovir gilt als eine sichere und kostengünstige Behandlung.

Sanguinaria canadensis Salben (Kanadischer Blutwurz): Salbe wird unter anderem unter dem Namen XXTerra vertrieben und bewirkt eine Abtrocknung der Sarkoide.

Alle Maßnahmen müssen mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden und dürfen nicht in Selbstmedikation durchgeführt werden.

Foro 1: Malcolm_Morley / CC BY-SA
Foto 2: Schutterstock
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