Im Magen-Darmtrakt der Pferde vorkommende Parasiten bedrohen die Gesundheit und das Wohlbefinden von Pferden aller Altersgruppen.  Grundsätzlich sind alle Pferde mit Weidegang einem Infektionsrisiko ausgesetzt. 

 

Endoparasiten

Parasiten, die Pferde im Inneren bedrohen nennt man Endoparasiten.
Anzeichen eines Endoparasitenbefalles können ein stumpfes Haarkleid, Abmagerung, Blähbauch, Wachstumshemmung, Juckreiz an der Schweifrübe, Kolik, Durchfall und bei Lungenwürmern Husten und/oder Nasenausfluss sein.
Auch äußerlich gesund wirkende Pferde können gefährlich befallen sein.

Wie werden  Würmer übertragen?

Es gibt verschiedene Übertragungswege für Endoparasiten. Sie können über das Maul (oral),  über die Haut oder beim Säugen aufgenommen werden.
Die meisten Würmer entwickeln sich im Darm und werden entweder selbst oder als Eier mit dem Kot in die Umwelt gebracht. Übertragungen können auf der Weide, beim beschnuppern von Kothaufen , der gegenseitigen Fellpflege, aber auch durch verunreinigtes Futter entstehen. Die ausgewachsenen Würmer, aber auch ihre Vorstufen die Larven und Eier, können teilweise in der Umwelt lange überleben und  so eine Gefahr für den gesamten Pferdebestand darstellen.

Die am häufigsten vorkommenden Endoparasiten sind:

Bei allen Pferden:
Strongyliden (Palisadenwürmer)
Blutwurmer (Strongylus vulgaris)
Kleine Strongyliden (Cyathostominae, Strongylinae)
Bandwürmer (Anoplocephala perfoliata)
Magendasseln (Gasterophilus intestinalis)
Magenwurm = Trichostrongylus axei
Lungenwurm = Dictyocaulus arnfiledi

vor allem bei Fohlen und Jährlingen:

Zwergfadenwürmer (Strongyloides westeri)
Spulwürmer (Parascaris equorum)

vor allem bei älteren Pferden:

Pfriemenschwänze (Oxyuren equi)

Grundregeln der Entwurmung

  • Es ist immer der gesamte Bestand eines Hofes gleichzeitig zu entwurmen
  • Da nach der Entwurmung möglicherweise massiv Wurmeier ausgeschieden werden, sollten die Pferde nach erfolgter Entwurmung 1-3 Tage im Stall verbleiben. Dort sollte gründlich entmistet werden.
  • Weidehygiene: Bei Koppeln die intensiv begrast werden, ist ein gutes Weidemanagement notwendig, um den Infektionsdruck gering zu halten.
    Die Koppeln sollten nicht nur regelmäßig abgeäppelt, sondern auch die Geilstellen entfernt werden. Geilstellen sind Stellen, an denen die Pferde gekotet haben. Dort wächst das Gras durch die Überdüngung hoch und wird von den Pferden gemieden. Eine angemessene Hygiene in Stall, Paddock und auf der Weide sind wichtige Voraussetzungen für eine effektive Wurmkontrolle.
  • Parasiten beeinträchtigen das Immunsystem.
    Daher sollte bis max. zwei Wochen vor einer Impfung entwurmt werden.
  • Der Wirkstoff der Wurmkuren sollte jährlich gewechselt werden, um so Resistenzbildungen zu vermeiden.

 

Welcher Wirkstoff ist in welchem Präparat?

  • A) Benzimidazole: z.B.Panacur®, Rintal®, Telmin®
  • B) Pyrantel: z.B. Banminth®
  • C) Makrozyklische Laktone: Ivermectin (z.B. Eraquell®, Ivomec P®, Diapec®,
  • Furexell®) oder Moxidectin (z.B. Equest®)
  • D) Praziquantel: z.B. Droncit®, oder als Kombinationspräparat (Equimax®/Eqvalan®: Ivermectin + Praziq.), (Equest Pramox®: Moxidectin + Praziq)

Entwurmungsplan für Pferde ab 4 Jahren

(ohne Fohlen, trächtige und laktierende Stuten)

Zeitpunkt WurmartWirkstoffBemerkung
Feb/März kleine Strongyliden,
Spulwurm
Benzimidazole (A) oder Pyrantel (B) *Evtl. Kotuntersuchung zur Feststellung des Verwurmungsgrades vor der Entwurmung und ggf. Verzicht auf diese Wurmkur
Juni/Juli kleine Strongyliden, Spulwurm Benzimidazole (A) oder Pyrantel (B) ----
Aug/Septkleine Strongyliden, Spulwurm Benzimidazole (A) oder Pyrantel (B) * wie im Frühjahr
Nov/Dez kleine Strongyliden, Spulwurm kleine Strongyliden, Spulwurm, Bandwurm, Magendasseln Makrozyklische Lakton (C)
+ Praziquantel (D)
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Selektive Entwurmung

Die konventionelle Methode, in der alle Pferde eines Bestandes nach dem Entwurmungsschema behandelt werden, wird in der Regel ohne vorherige Kotuntersuchung vorgenommen. Daher kennt man den tatsächlichen Verwurmungsgrad einer Population nicht. Neuere Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass sich gegen eine oder mehrere Antiparasitika Resistenzen entwickelt haben. Die selektive Entwurmung greift diese Überlegungen auf. Konkret heißt das, dass nur Pferde entwurmt werden, die befallen sind.

Kotuntersuchungen

Seit dem Jahre 2011 wird als wirkungsvolle Endoparasitenkontrolle der Begriff „Selektive Entwurmung“ eingeführt. Die selektive Entwurmung ist eine auf Diagnostik basierende Methode zur Kontrolle der Verwurmung. Hierbei werden kontinuierlich Kotproben nach der McMaster Methode zur Eizählung untersucht. Mittels der Eizählung in Kotproben werden diejenigen Pferde eines Bestandes ermittelt, die „starke Ausscheider“ sind, deren frischer Kot also 200 Eier (EpG) von Strongyliden und mehr pro Gramm aufweist. Starke Ausscheider werden mit einer entsprechenden, vom Tierarzt verordneten Wurmkur behandelt. Finden sich Eier anderer Parasitenarten in einem positiven Befund, muss das Pferde ebenso behandelt werden.

Aber auch die selektive Entwurmung hat Schwachpunkte, da z.B. ein hoch verwurmtes Pferd nicht unbedingt Wurmeier ausscheiden muss und der Teil der Kotprobe nicht repräsentativ für den Verwurmungsgrad des Pferdes sein muss. Außerdem erfordert die selektive Entwurmung eines Bestandes eine ausgeprägte Logistik.

Es empfiehlt sich, immer nach Rücksprache mit dem Tierarzt die Entwurmungsmethode und das Entwurmungsmittel zu wählen.

 

Foto: © Shutterstock
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