Der Wolf ist zurück – stellt er eine Gefahr für unsere Pferde dar?

Ausgerottet durch seine Bejagung, war der Wolf über 100 Jahre in Deutschland nicht mehr vorhanden. Die ersten wieder freilebenden Wölfe in unserem Land wurden im Jahre 2000 in der Lausitz geboren. Die Rückkehr des Wolfes, sowie die immer öfter werdenden Meldungen über vermeintliche oder bestätigte Risse, werfen bei Reitern und Pferdehaltern Fragen auf.

Laut Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf gibt es in Deutschland aktuell 60 Rudel, 3 Paare und 6 territoriale Einzeltiere. Insgesamt wurden 213 Welpen in 2018/2019 bestätigt. Die meisten Rudel leben in den Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Die Zahl der Wölfe wächst stetig an.

Gehören Pferde überhaupt zum Beuteschema der Wölfe?

Grundsätzlich nein – Pferde gehören nicht zu der natürlichen Beute der Wölfe,  die in einem Rudel leben. Meist sind es die Einzelwölfe, die unsere Haus- und Nutztiere bevorzugen. Ohne im Rudel jagen zu können, sind sie darauf angewiesen Kraft- und Energiereserven zu sparen. Der Wolf gibt sein Jagdverhalten an seinen Nachwuchs weiter. Hat er ein Pferd einmal erfolgreich gerissen, gehört es fest in sein Beuteschema. Wenn sich also der Einzelwolf, der erfolgreich ein Pferd gerissen hat verpaart, gehören Pferde fest zum Beuteschema des Rudels. Eine in Panik fliehende Pferdeherde, aufgeschreckt von einem angreifenden Wolf, ist wohl das Horrorszenario vieler Pferdebesitzer.

Pferde sind Fluchttiere – doch wie groß ist deren natürliche Angst vor Wölfen?

Wie groß die natürliche Angst der Pferde vor Wölfen ist, ist bisher erst wenig erforscht. In Dänemark gab es bereits in 2008 mehrere Versuche (CHRISTENSEN ET AL. 2008), die zeigten, dass Pferde den Geruch von Wolfshaaren- und Urin zwar wahrnahmen aber weder in Panik ausbrachen noch Herz- und Atemfrequenzen signifikant erhöht waren. Ähnliches fanden auch die Pferdespezialisten unter den Verhaltensforschern der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Jahre 2015 heraus (BOHNET 2015, pers. comm.).
Im Herbst 2018 startete eine auf zwei Jahre angelegte Studie des Arbeitskreises Pferd und Wolf Niedersachsen unter der Leitung von Prof. Konstanze Krüger von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen. Ziel dieser Studie ist, mehr über die Interaktion zwischen Wolf und Pferd herauszufinden.

Ausreiten in Wolfsgebieten – was ist bei einer Wolfsbegegnung zu tun?

Normalerweise zieht sich ein Wolf, sobald er den Menschen wittert, schnell wieder zurück. Das Wildtier nimmt zuerst nur das Pferd wahr, erst mit der menschlichen Witterung kann es den Reiter auf dem Pferd zuordnen.

Sollten sich Wölfe dennoch einem Reiter oder mehreren Reitern nähern, empfiehlt der Arbeitskreis Pferd und Wolf folgendes:

• Ruhe bewahren und fluchtartiges davongaloppieren unbedingt vermeiden.
• Das Pferd/die Pferde den Wölfen zugewandt aufstellen, damit das sehen kann.
• Laut rufen,  aber nicht klatschen oder mit den Armen schwingen, um das Pferd nicht zu erschrecken und zu beunruhigen.
• Sollten die Wölfe sich nicht zurück ziehen, reitet man im Schritt langsam auf die Wölfe zu oder daran vorbei. Wichtig hierbei ist, dass genügend Platz zum ausweichen vorhanden ist. Wenn man bemerkt, dass die Tiere einem folgen, sollte man sein Pferd umdrehen und wieder langsam aber energisch im Schritt auf die Wölfe zu reiten, bis sie sich zurückziehen.
• Auf keine Fall den Tieren folgen, sobald sie sich zurück ziehen. Ein Wolf der sich in die Enge getrieben fühlt, greift an.
• Wölfe betrachten Hunde als Konkurrenten – in Wolfsgebieten empfiehlt es sich den Hund angeleint in der Nähe von Reiter und Pferd zu führen.

Weidetiere schützen – wie funktioniert das am besten?

Trotz der wenig erforschten Interaktion zwischen Wolf und Pferd machen sich viele Pferdehalter darüber Gedanken, wie sie ihre Herden in artgerechter Haltung am besten schützen können.

Ein gut durchdachter Weidezaun ist die Grundlage zur Verhinderung von Wolfsübergriffen. In den meisten Fällen reicht es aus, bestehende Zäune anzupassen. Wichtig ist, dass der bestehende Zaun mindestens 1,40 m hoch ist und 3 Litzen im Abstand von ca. 40 cm hat. Der Wolf versucht in der Regel jeden Zaun zu untergraben, sehr selten wird er versuchen einen Zaun überspringen. Daher ist es wichtig, die Lücke zwischen Boden und erster Litze zu schließen. Am einfachsten funktioniert das mit 2 Glattdrahtlitzen die außerhalb der Pfähle mit Isolatoren im Abstand von ca. 15 cm angebracht werden. Der außen angebrachte Schutz hält den Wolf auf Abstand zum eigentlichen Zaun. Eine Stromversorgung von 2500 Volt auf der gesamten Strecke muss gewährleistet sein.

Alternative Herdenschutzmaßnahmen

Herdenschutzhunde werden in Schafherden bereits mit großem Erfolg eingesetzt. Der Vorteil der Hunde ist hierbei, dass sie die Weiden, auf denen sie mit der Herde leben als ihr Territorium sehen und keine anderen Hunde oder gar Wölfe dulden. Da der Wolf ein sehr vorsichtiger Jäger ist, und es vermeidet, um Beute zu kämpfen, hält er sich meist aufgrund der Markierungen der Hunde schon von solchen Herden fern. Der Einsatz solcher Herdenschutzhunde ist bei Pferdeherden noch nicht ausreichend erprobt um belastbare Aussagen über Effektivität treffen zu können.

Esel werden in den USA bereits erfolgreich in den Herden der Jährlinge und Zweijährigen zum Schutz gegen Coyoten eingesetzt. In Deutschland gibt es einige Schafhalter die versuchsweise Esel in ihren Herden einsetzen. Erfahrungen mit Eseln als Schutztiere in Pferdeherden gibt es aber hier in Deutschland bisher kaum.

 

Quellenangaben: www.nabu.de
https://www.pferd-aktuell.de/umweltundpferdehaltung/gefahr-wolf/gefahr-wolf-fuer-pferde
Fotos: Figure 8, Pixaby

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