Die Zeit im Stall sinnvoll nutzen 

-Maureen Lafayette Römer, Trainer B Westernreiten – 

Die Coronapandemie wirkt sich auch auf uns Reitsportler aus. Reitunterricht darf nicht wie gewohnt stattfinden, Turniere und Messen sind abgesagt und niemand weiß, wann und wie wieder Normalität in unseren Alltag einkehren wird.  

In unserem Stall gibt es die Regelung, dass pro Pferd nur eine Person 2 Stunden am Tag im Stall sein darf, um die notwendige Versorgung und Bewegung des Pferdes sicherzustellen. Insgesamt dürfen nur maximal 4 Personen gleichzeitig auf der Anlage sein. Aber was heißt das konkret? Ich muss mich immer bereits am Vortag für ein zweistündiges Zeitfenster eintragen, indem ich zum Stall komme. Dann habe ich exakt 120 Minuten Zeit um Heu und Futter zu machen, mein Pferd reinzuholen, es zu putzen und es irgendwie sinnvoll zu bewegen. Da der Sport als solches verboten ist und auch nicht zu reinen Vergnügungszwecken mit dem Pferd gearbeitet werden soll, beschränkt sich die Bewegung auf das Notwendigste und wird so kurz wie möglich gehalten 

Doch auch in dieser kurzen Zeit ist es möglich etwas Sinnvolles mit seinem Pferd zu machen und die Zeit gut zu nutzen, denn bewegt werden müssen unsere lieben Pferde ja trotzdem. Deshalb verrate ich euch nun ein paar Tipps, wie ihr die kurze Zeit im Stall und mit eurem Pferd sinnvoll nutzen könnt. 

Am Boden: 

  • Achten um zwei Pylonen herum zu longieren. Damit übt ihr den Handwechsel in der Bewegung, könnt überprüfen wie gut euer Pferd auf eure Hilfen reagiert und eure eigene Körpersprache verbessern. 
  • Ecken longieren. Häufiges und langes longieren im Kreis führt oftmals dazu, dass die Pferde stark auf die innere Schulter kippen und das innere Vorderbein sehr viel stärker belasten. Wenn ihr anstelle eines Kreises ein Vier-, Sechs- oder Achteck longiert, muss das Pferd sich auf den geraden Linien zwischen den Ecken immer wieder geraderichten und wird dadurch daran gehindert dauerhaft nach innen zu kippen.  
  • Hinterhand und Vorhand des Pferdes einzeln bewegen. Diese Vorübung vom Boden kann euch helfen, euer Pferd beweglicher zu machen und sein Körpergefühl zu schulen, was euch später im Sattel ganz sicher zu Gute kommen wird. Außerdem ist die Fähigkeit Vorhand und Hinterhand in kleinen Schritten einzeln zu bewegen eine gute Vorbereitung für Vorhand- und Hinterhandwendungen sowie für eine Vielzahl anderer Lektionen. 
  • Mit dem Pferd die Welt außerhalb des Stalls erkunden. Wenn ihr hin und wieder mit eurem Pferd im Gelände spazieren geht, bringt das Abwechslung in euren Alltag und stärkt eure Bindung zueinander. Außerdem sind unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten, wie zum Beispiel Sand, Asphalt, Gras, Waldboden etc. hervorragend geeignet, um die Trittsicherheit  eures Pferdes zu verbessern. 

Im Sattel: 

  • Bewegungen des Pferdes erfühlen. Wisst ihr, wann sich welches Bein eures Pferdes bewegt oder könnt ihr „auf dem richtigen Fuß“ leichttraben ohne hinzusehen? Probiert es doch mal aus und nutzt eure Aufwärm- und Lösephase dazu ganz bewusst die Bewegungen eures Pferdes wahrzunehmen und euch zu überlegen, in welchem Moment nun welche Hilfe gegeben werden müsste, damit sie auch das gewünschte Ergebnis erzielt. 
  • Sitz und Hilfengebung verfeinern, statt Manöver zu trainieren.  Auch wenn viele ihr Training vermissen, hat vielleicht der ein oder andere doch mal Lust etwas anderes auszuprobieren und an sich selbst zu trainieren, um die Leistung des Pferdes zu verbessern. Balanceübungen und reflektiertes Überprüfen der eigenen Hilfen sind dafür eine gute Strategie. Meine Maxime ist bezüglich der Hilfengebung immer „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ Probiert das doch einfach mal aus und testet beispielsweise, ob ihr euer Pferd auch ohne Zügeleinsatz anhalten und rückwärtsrichten könnt. 

Vielleicht sind ja ein paar Übungen dabei, die ihr in euren Alltag mit eurem Pferd einbauen könnt, um ihm und euch etwas Abwechslung zu verschaffen und das Beste aus der aktuellen Situation zu machen.  

Und wenn ihr außerhalb des Stalls auch noch Zeit habt, die ihr euren Pferden gerne widmen wollt, dann könntet ihr die Zeit nutzen, um einmal all euer Sattelzeug zu reinigen und einzufetten oder um euch in Webinaren und sonstigen Onlineangeboten rund ums Pferd weiterzubilden. Angebote gibt es genügend. 

Eure Maureen  

 

Bilder: Maureen Lafayette Römer 

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