Albtraum Hufrehe

Die Hufrehe ist wohl eine der bekanntesten und zugleich gefürchtetsten Erkrankungen die ein Pferd treffen kann. Lange Heilungsprozesse und erhebliche Einschränkungen in der Lebensqualität der Pferde sind die Folge.

Was passiert im Pferdekörper bei einer Hufrehe?

Die Huflederhaut ist das Gewebe, das im Bereich der Seitenwände des Hufbeins für die Aufhängung der Hornkapsel sorgt. Ist dieses Gewebe überlastet, folgt als Reparaturversuch des Pferdekörpers eine Entzündung, um den Stoffwechsel im betroffenen Gewebe zu erhöhen und zu regenerieren.

Die Huflederhaut schwillt in Folge dieser Entzündung stark an, was zu Durchblutungsstörungen sowie Flüssigkeitsaustritt führt. Durch die feste Struktur von Huf und der Hornkapsel kann sich die Schwellung nicht ausbreiten – es entsteht ein hoher Druck im Huf. Die ausgetretene Flüssigkeit führt dazu dass sich Lederhaut- und Oberhautplättchen ablösen, was sich in einer breiter werdenden weißen Linie zeigt.

Wird die Hufrehe zu spät behandelt oder erkannt, schreitet die Entzündung weiter fort und führt dazu, dass der Huf nicht mehr mit den benötigten Nährstoffen versorgt werden kann, da die Blutzirkulation nicht mehr richtig funktioniert. Es kommt zu seinem Absenken des Hufbeins und im schlimmsten Fall zum sogenannten „Ausschuhen“, wobei sich die Hornkapsel ablöst.

Die möglichen Ursachen einer Hufrehe

Als auslösende Ereignisse werden meist Stoffwechselerkrankungen oder das Futter unserer Pferde genannt. Die Wissenschaft gibt zwar Anhaltspunkte über mögliche und definitive Ursachen, die zur Auslösung führen allerdings ist hier noch lange nicht ausgeforscht.

Die gängigsten Auslöser eine Hufrehe sind die folgenden:

Belastungsrehe

Zu starke Belastung der Hufe führt zu einer Störung der Blutzirkulation – die Huflederhaut kann sich entzünden. Auslöser sind Schonhaltungen aufgrund einer Lahmheit, extrem langes Laufen auf harten Böden oder auch eine Boxenruhe.

Futterrehe

Die am meisten verbreitete Ursache ist die falsche Fütterung. Viele Kohlenhydrate, in Form von Getreide aber auch das Fruktan im Gras und Heu, führen zu einer explosionsartigen Vermehrung der Streptokokken im Dickdarm was eine massive Freisetzung an Milchsäure mit sich führt. Durch die Milchsäure kommt es zu einem Massensterben der rohfaserverdauenden Bakterien, deren Zerfall Gifte freisetzen die über die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen. Der Organismus wird übersäuert, was im Huf zu feinen Blutgerinnseln und verminderter Durchblutung führt.

Vergiftungsrehe

Bei der Vergiftungsrehe passiert der gleiche Vorgang wie bei der Futterrehe, nur mit anderer Ursache. Vergiftungen können durch Pflanzen wie auch durch Schimmelsporen, Rückständen von Pestiziden und Wurmkuren ausgelöst werden. Ebenso können bestimmte Medikamente eine Rehe auslösen. Im Verdacht steht hier immer wieder Cortison.

Stoffwechselerkrankungen

Cushing Syndrom 

Die Hufrehe ist sehr häufig eine Folgeerkrankung des Equinen Cushing Syndrom. Durch den hohen Wert des Hormons ACTH (adrenocorticotropes Hormon), das in der Hirnanhangdrüse gebildet wird, kommt es zu einer vermehrten Kortisolausschüttung aus der Nebennierenrinde. Ein zu hoher Wert des Stresshormon Kortisol führt zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels, was wiederrum dazu führt, dass sich die Blutgefäße verengen und der Körper übersäuert wird.

Equines Metabolisches Syndrom

Die sogenannte Wohlstandskrankheit bezeichnet eine Kohlenhydratstoffwechselstörung. Besonders betroffen sind leichtfuttrige Pferde, die zu Übergewicht neigen und selbst bei einer Diät noch zunehmen. Fettdepots sowie häufiges trinken und extremer Appetit sind Anzeichen des EMS. Eine vermehrte Insulinproduktion als Ergebnis dieser Erkrankung führt in vielen Fällen zu einer Hufrehe.

Wie erkennt man eine Hufrehe?

Das tückische an der Erkrankung ist, dass die akute Hufrehe bereits nach 2-3 Tagen zu einer chronischen Hufrehe wird. Erste Anzeichen einer Entzündung sind oft kaum merkbar. Eine abwechselnde Entlastung der Hufe und widerwilliges Hufe geben, können auf eine Huflederhautentzündung hinweisen.

Im akuten Stadium der Hufrehe beginnt das Pferd unwillig und klamm zu gehen – vorallem auf hartem Boden. Der betroffene Huf ist wärmer als die anderen, ebenso spürt man eine Pulsation am Fesselkopf. Das charakteristischste Symptom der Hufrehe tritt ein: die Sägebockstellung. Das Pferd schiebt die Hinterbeine weit unter den Bauch und verlagert sein Gewicht auf die Hinterhand um die Vorhand und somit die betroffenen Hufe (in den meisten Fällen sind es die Vorderhufe) zu entlasten. Muss das Pferd sich bewegen, fußt es auf der Trachte um die schmerzhafte Zehe zu entlasten und zeigt extreme Probleme in der Wendung.

Nach 2-3 Tagen erreicht die Hufrehe das chronische Stadium. Hierbei kommt es zu einer Verlagerung und Absenkung des Hufbeins. Sinkt das Hufbein im Zehenbereich stärker ab, kommt es zu einer Rotation nach unten hinten und die Spitze des Hufbeins drückt auf das Sohlengewebe. Unter dem Druck des Hufbeins wird die Sohlenlederhaut nekrotisch und kann perforieren – es kommt zu einem Hufbeindurchbruch. Anhand von Röntgenbildern lässt sich beurteilen, wie schwer die Absenkung bereist fortgeschritten ist.

In besonders schweren Fällen „schuht“ das Pferd aus. Die Hornkapsel löst sich im Bereich des Kronrandes ab. Sinnbildlich verliert das Pferd seinen Huf. In diesem Fall muss das Pferd meist sofort euthanasiert werden.

Stadium 1 / Vorläuferstadium

  • Abwechselndes Entlasten der Beine
  • Widerwilliges Hufe geben
  • Manchmal klammer Gang

Stadium 2 / Akutstadium

  • Trachtenfußung
  • Warme Hufe
  • Sägebockstellung
  • Pulsation
  • Wendeschmerz

Stadium 3 / Chronisches Stadium

  • Absenkung/Rotation des Hufbeins
  • Sägebockstellung
  • Schmerzverzerrte Haltung und Mimik
  • Kalte Hufe durch kaum noch stattfindende Blutzirkulation
  • Hufbeindurchbruch oder Ausschuhen möglich

Behandlung der Hufrehe

Sobald man meint Anzeichen einer Rehe zu erkennen, sollte man sofort reagieren und Maßnahmen einleiten, sowie seinen Tierarzt kontaktieren. Besser handelt man hier einmal zu viel, als einmal zu wenig. Im besten Fall bestätigt sich die Vermutung nicht, im schlechtesten Fall hat man zumindest sofort reagiert und kann mit etwas Glück die schädigenden Auswirkungen einer Rehe im chronischen Stadium verhindern.

Bemerkt man die Hufrehe erst, wenn das Pferd bereits in der typischen Sägebockstellung steht, hat der Prozess der Hufbeinverlagerung bereits begonnen und die weitere Behandlung kann nur noch die Intensität der Verlagerung verbessern.

Sofortmaßnahmen bei dem Verdacht einer Hufrehe:

  • kühlen der Hufe: am besten in Eiswasser, in einem Bachlauf oder in Schnee.
  • Das Pferd auf einen weichen Untergrund, am besten auf Späne, stellen
  • Kein Kraftfutter mehr geben
  • Entzündungshemmer und Polsterverband durch den Tierarzt

Die weitere Behandlung sollte immer in Absprache mit dem Hufschmied und dem Tierarzt erfolgen. Essentiell für einen Behandlungsplan sind Röntgenbilder auf denen zu erkennen ist, inwieweit das Hufbein sich bereits verändert hat. Ein Muss ist die ständige Hufbearbeitung sowie die Kontrolle durch den Tierarzt und eine, je nach Auslöser, angepasste Fütterungs- und Haltungsform.

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