Überlebenstipps für den Abreiteplatz

Die Turniersaison geht endlich wieder los. Nach langer Abstinenz ist der Ansturm auf die kommenden Turniere groß. Neben routinierten Turnierreitern, starten auch viele Reiter in ihr erstes Turnierjahr.

Das Abreiten und die richtige Vorbereitung vor der Prüfung sind essentielle Faktoren für den Erfolg in der Prüfung. Das Problem ist nur, der Abreiteplatz lässt gerade Turnierneulinge erschrocken zusammenzucken. Wir geben euch Tipps, wie ihr unbeschadet und erfolgreich durch das Abreiten kommt.

 

#1 Was nimmt man auf den Abreiteplatz mit?

Besonders hilfreich, gerade als Turnierneuling, ist der sogenannte EM (sprichwörtlich Equipment Manager (oder, nicht ganz so vornehm, auch Turniertrottel TT genannt) = eine Person, die euch aufs Turnier begleitet, eure Sachen trägt, Trinken holt, für euch da ist und euch seelische und moralische Unterstützung bietet.
Der EM kann euch bereits auf dem Weg zum Abreiteplatz unterstützen, indem er die Grooming Bag, eure Chaps und die Hutbox trägt und ihr euch somit nur auf euer Pferd und das Abreiten konzentrieren müsst. Die meisten Reiter ziehen Chaps und Hut erst kurz vor der Prüfung an – natürlich könnt ihr euer Showoutfit aber auch gleich zum Abreiten tragen.  Um eure Chaps anzuziehen und das Pferd noch kurz zu groomen, verlasst ihr den Abreiteplatz, um den anderen nicht im Weg zu stehen.

Die Startnummern habt ihr bereits am Hänger oder in der Box am Blanket befestigt. Als Turnierreiter wisst ihr nämlich, dass diese auf dem Abreiteplatz und auf dem gesamten Turniergelände am Pferd sein muss. Dennoch habt ihr Ersatznadeln für die Startnummern in der Grooming Bag dabei – sicher ist sicher.

Bei warmem Wetter solltet ihr einen Eimer mit zum Platz nehmen, um dem Pferd Wasser anbieten zu können – denkt auch an euch und nehmt etwas zu Trinken mit.

#2 Wie verhält sich der Reiter richtig auf dem Abreiteplatz?

Das oberste Gebot ist: gegenseitige Rücksichtnahme. Oft sind viele Reiter auf dem Abreiteplatz und man muss sich durch Handzeichen und Rufe verständigen. Verlasst euch nicht darauf, dass alle Reiter sich an die gängigen Bahn- und Vorfahrtsregeln halten. Reitet nicht stur vor euch hin, sondern bleibt achtsam und habt eure Mitreiter immer im Blick.
Der Schritt sollte generell auf dem zweiten Hufschlag geritten werden. Gönnt ihr eurem Pferd eine Pause, tut ihr das in der Mitte der Zirkel. Eine gute Regel ist: je langsamer das Tempo, desto näher an der Zirkelmitte solltet ihr euch aufhalten.

Grundsätzlich sollte man sich immer mit seinen Mitreitern auf dem Abreiteplatz absprechen. Wenn alle nur auf einer Hand reiten, ist die Gefahr von Zusammenstößen sehr viel geringer, als wenn alle Reiter durcheinanderreiten. Möchte man einen Handwechsel einleiten kann man seinen Wunsch lauthals mit „Handwechsel, bitte!“ in den Platz rufen.

Zum Manöver Spin bewegt ihr euch ebenfalls in die Mitte der Zirkel, so behindert ihr niemanden und habt genügend Abstand zu anderen Pferden. Run-Downs und Stops kündigt ihr am besten laut per Rufen an – so wissen die anderen Reiter Bescheid und können den Run-Down frei geben. Ihr solltet niemals ohne Vorwarnung den Run Down hinunter jagen. Pferde, die es nicht kennen, dass sich ein anderes Pferd so schnell nähert und dann stoppt, könnten panisch reagieren und im schlimmsten Fall durchgehen. Wenn ihr Pferde auf dem Hufschlag überholen müsst, schaut euch vor dem Überholvorgang um und schert erst dann aus.  Haltet immer genügend Abstand zu anderen Pferden und versucht vorausschauend zu reiten.

Grundsätzlich sind auf dem Abreiteplatz nur nach diesem Regelbuch zugelassene Ausrüstungsgegenstände erlaubt, beispielsweise ein zusätzlicher Mouth-Shutter darf auf dem Abreiteplatz nicht getragen werden. Kinder und Jugendliche müssen ihren Helm auf dem Abreiteplatz tragen.

 

#3 Wie verhält sich der Fußgänger/Turnierhelfer richtig auf dem Abreiteplatz?

Ganz wichtig: Reiter haben immer Vorrang. Auch hier gilt, verlasst euch nicht auf die Achtsamkeit aller Reiter. Lauft ihr ungünstig einfach in den Abreiteplatz, werdet ihr im schlimmsten Fall umgeritten. Müsst ihr durch den Abreiteplatz laufen, verhaltet ihr euch wie beim Überqueren einer Straße. Links – Rechts – Links schauen und den Platz betreten. Ihr bewegt euch dann an der Bande oder Absperrung entlang bis zu eurem Ziel. Auf einigen Turnieren ist das Betreten des Abreitebereichs als Fußgänger nicht gestattet. Erkundigt euch vorher, was auf dem Turnier gilt.

Als EM steht man mitsamt dem Equipment des Reiters hinter der Bande. Das ist wichtig, um niemanden zu behindern und zu gefährden. Eine am Boden stehende Grooming Bag kann von einem Reiter übersehen werden und hängt im schlechtesten Fall dann mitsamt dem Tragegriff an einem Pferdefuß.

 

#4 Wie lange vor der Prüfung muss man auf dem Abreiteplatz sein?

Werder zu früh, noch zu spät. Kommt ihr zu spät, bricht Hektik aus – bei euch und somit automatisch auch beim Pferd. Genügend Zeit zum ruhigen Abreiten einzuplanen ist das A&O für eine gute Vorbereitung. Informiert euch am besten ungefähr 2 Stunden vor eurer Prüfung in der Meldestelle, ob der Zeitplan noch aktuell ist und plant euer Abreiten danach. Oftmals verschieben sich Prüfungen nach hinten.

Aber auch zu früh abzureiten, ist kontraproduktiv. Wer 2 Stunden vor der Prüfung bereits auf dem Pferd sitzt, läuft Gefahr viel zu viel abzureiten oder das Pferd mürbe und stumpf zu machen.

 

#5 Wie lange reitet man ab?

Das kommt natürlich auf euer Pferd an. Manche Pferde sind eher faule Vertreter und benötigen nur etwas Aufwärmprogramm, bevor es in die Showarena geht – andere Pferde müssen beim Abreiten erst mal etwas Luft ablassen und benötigen eine längere Vorbereitungszeit. Wie lange die perfekte Zeit zum Abreiten für euer Pferd ist, merkt ihr in der Regel nach einigen Turnieren und mit etwas Erfahrung.

Aufwärmen und abreiten aber nicht trainieren: Was ein Pferd vor der Prüfung nicht kann, wird es auch auf dem Abreiteplatz nicht mehr lernen. Beim Abreiten trainieren zu wollen, bringt euch nichts außer schlechte Laune und schweißgebadete Pferde, die in der Prüfung nicht mehr die erwartete Höchstleistung erbringen.

#6 Wie reitet man ab?

Für den Anfang eine lange Schrittphase am langen Zügel – gebt eurem Pferd genügend Zeit , um einige Minuten im entspannten Schritt zu laufen. Auch im Schritt werden die Körperfunktionen bereits langsam auf Arbeit eingestellt.

Im Trab soll das Pferd fleißig vorwärts gehen, den Rücken öffnen und untertreten. Am Anfang der Trabphase geradeaus oder auf dem Zirkel reiten ohne viel zu verlangen. Durch die natürlichen Bewegungsabläufe steigt die Temperatur und die Gelenke und Sehnen werden warm.

Im Galopp gilt das gleiche Prinzip: Geradeaus oder auf dem Zirkel einige Runden locker galoppieren lassen, bevor man in die Arbeitsphase übergeht.

Die danach folgende Arbeitsphase ist abhängig von einigen Faktoren wie Wetter, dem Trainingszustand, dem Alter und Temperament des Pferdes sowie der Disziplin – sollte aber grundsätzlich nicht länger als 20 Minuten betragen. Die Arbeitsphase dient dazu, euer Pferd aufmerksam auf euch zu machen, die Hilfen zu verfeinern und eure Kommunikation auf die bevorstehende Prüfung vorzubereiten .Versucht in jeder Situation ruhig zu bleiben und eurem Pferd immer wieder Pausen gönnen.

#7 Kann man das Abreiten üben?

Natürlich könnt ihr euch bereits Zuhause eine Art Abreit-Routine entwickeln, das kann euch und dem Pferd sogar einiges an Stress ersparen. Ihr kennt dann bereits die Abläufe und könnt entspannt euer Aufwärm-/Abreiteprogramm durchziehen.
Viele Pferde geraten in Stress, wenn sie plötzlich zusammen mit einigen anderen Pferden auf dem Platz sind – auch das könnt ihr Zuhause trainieren, indem ihr öfter in Gruppen reitet und den Abreiteplatz simuliert.